Es gibt Bereiche in der Hotellerie, über die selten jemand spricht. Nicht, weil sie unwichtig wären, nein ganz im Gegenteil. Sondern weil sie im Alltag einfach „laufen sollen“. Housekeeping gehört definitiv dazu.
Und genau deshalb lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Denn Housekeeping ist längst nicht mehr nur „Zimmer machen“. Es ist der Bereich, der Schlafqualität, Gästekomfort, Kosten, Abläufe und Wahrnehmung jeden Tag neu produziert.
In den letzten Monaten habe ich drei Themen beobachtet, die in vielen Hotels unterschätzt werden und gleichzeitig riesige Potenziale haben:
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Schlafqualität als USP
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Wäsche & Wäscherei: kaufen, mieten, intern, extern
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Digitale Housekeeping‑Prozesse statt manueller Zählerei
Hier ist meine persönliche Sicht darauf aus der Praxis, aus echten Situationen, aus dem, was ich in Hotels jeden Tag sehe und auch für die Pre-Openings selbst für meine KundInnen organisiert habe.
🌙 1. Schlaf verkaufen aber Housekeeping entscheidet darüber
Ich habe kürzlich einen Artikel über „Sleep Tourism“ gelesen. Hotels, die Schlaflotsen beschäftigen. Klingt komisch, ist aber so. Workshops mit Lavendel, Hopfen und Zirbenholz. Kneipp‑Rituale, Waldbaden, Atemübungen. Matratzen, die mehr kosten als ein Kleinwagen.
Und während ich das lese, denke ich: Das ist alles schön und gut, aber ohne Housekeeping ist es wertlos.
Denn Schlafqualität entsteht nicht im Marketing. Sie entsteht im Zimmer. Jeden Tag. Durch:
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Geräuschpegel
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Sauberkeit
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Luftqualität
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Textilien
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Bettaufbereitung
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Reinigungsmittel
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Temperaturgefühl
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Logistik rund um Kissen & Decken & Matratzen
Ich erinnere mich an ein Hotel, das ein „Sleep Well“-Konzept eingeführt hat. Neue Matratzen, neues Kissenmenü, sogar Kräuterkissen. Und trotzdem: Beschwerden.
Warum? Wie kann das sein?
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Kissenmenü ohne funktionierende Logistik
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Housekeeping um 7 Uhr mit dem Wäschewagen im Flur mit anderen KollegInnen am quatschen
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Reinigungsmittel, die stärker riechen als jedes Duftöl oder der Geruch nach Reinigungsmitteln und Chemie liegt in der Luft
Das ist kein Teamproblem. Das ist ein Strukturproblem.
Schlafqualität ist ein Housekeeping‑Thema. Und Hotels, die das verstehen, haben einen echten Wettbewerbsvorteil.
🧺 2. Wäsche & Wäscherei: Entscheidungen, die Hotels selten strategisch treffen
Ein zweites Thema, das ich immer wieder sehe: Wäschelogistik. Fragen über Fragen…. gerade vor Eröffnungen sehr wichtig!
Kaufen oder mieten? Interne Wäscherei oder externe? Eigene Reinigungskräfte oder Fremdfirma?
Viele Hotels entscheiden aus Gewohnheit, nicht aus Strategie. Dabei beeinflusst diese Entscheidung:
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Qualität
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Kosten
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Verfügbarkeit
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Schlafkomfort
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Gästewahrnehmung
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Teamstress
Externe Wäscherei
Bequem, planbar – aber abhängig. Lieferverzug = Chaos. Fehlmengen = Stress. Qualität = schwankend.
Interne Wäscherei
Mehr Kontrolle – aber mehr Aufwand. Maschinen, Energie, Personal, Platz, Organisation, Dienstpläne, Ausfall…
Wäsche kaufen
Bessere Qualität, längere Lebensdauer – aber hoher Invest und Lagerbedarf.
Wäsche mieten
Planbare Kosten – aber oft schlechtere Qualität und Abhängigkeit.
Ich habe Hotels erlebt, die 20.000 € in Matratzen investieren, aber bei Handtüchern sparen. Oder Hotels, die ein Kissenmenü anbieten, aber nicht wissen, wo die Kissen liegen. Oder Häuser, die ihre Wäsche mieten und dann vor dem Wochenende ohne Laken dastehen.
Wäschelogistik ist kein Nebenthema. Sie ist die Grundlage für Qualität.
🧽 3. Digitale Housekeeping‑Prozesse
Und dann gibt es noch das Thema, das mich seit Jahren begleitet: Manuelle Bestandskontrolle.
Teams, die z.B. jede einzelne Shampooflasche zählen. Papierlisten, die niemand lesen kann. Lieferungen, die „irgendwie“ ankommen und nicht direkt verräumt werden, Reinigungsmittel, die plötzlich leer sind. Und niemand weiß, warum, abgelaufenes MHD weil nicht korrekt einsortiert wurde, das Alte nach vorne, das Neue nach hinten.
Das ist nicht modern. Das ist nicht effizient. Und es ist vor allem nicht notwendig.
Wie es besser geht:
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Mindestbestände & automatische Alerts
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Digitale Liefererfassung
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Verbrauch pro Zimmer tracken
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Reinigungsmittel & Amenities digital verwalten
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Standardisierte Bestellzyklen
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Klare Verantwortlichkeiten
Und das Beste: Housekeeping‑Apps, die per API ans PMS angebunden sind.
Damit entfällt:
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Telefonieren zwischen FO & HK
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„Zimmer 312 ist jetzt raus“
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„Zimmer 508 braucht ein Babybett“
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„Zimmer 221 hat eine kaputte Glühbirne“
Alles läuft automatisch:
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Zimmerstatus
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Extrawünsche
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VIP‑Setups
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Maintenance‑Tickets
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Minibar
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Aufenthaltsdauer
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DND‑Status
Ich habe Hotels begleitet, die nach der Einführung einer HK‑App plötzlich 10 Stunden pro Woche eingespart haben und das ohne Qualitätsverlust. Im Gegenteil: Die Qualität wurde besser, weil Teams endlich Zeit für das hatten, was Gäste wirklich spüren.
⭐ Mein Fazit: Housekeeping ist 2026 der unterschätzte Qualitätsmotor
Wenn wir über Hotellerie sprechen, reden wir oft über:
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Revenue
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Upselling
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Digitalisierung
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Marketing
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Gästeerlebnis
Auch ich, wenn Ihr meine letzten Newsletter und postet durchschaut, aber die Basis für all das entsteht im Housekeeping. Jeden Tag. Zimmer für Zimmer.
Und genau deshalb brauchen wir:
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bessere Strukturen
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strategische Entscheidungen
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moderne Tools
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digitale Prozesse
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klare Verantwortlichkeiten
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Wertschätzung für Teams
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und ein Bewusstsein dafür, dass Housekeeping kein Kostenfaktor ist, sondern ein Qualitätsfaktor
Hotels, die das verstehen, werden in den nächsten Jahren einen klaren Vorteil haben. Nicht, weil sie mehr investieren. Sondern weil sie besser organisieren.
Wie steht Ihr dazu? Ist HSK ein wichtiger Faktor in Eurem Unternehmen? Lasst uns in den Austausch gehen.
Viel Spaß beim Lesen,
Eure Charlotte